Snoopy

von Hartmut Neuber am 01.07.2020 / in Allgemein

Am Flughafen Schönefeld verlangt man meine Handynummer und Emailadresse, als ich mir vor dem Abflug einen Capuccino bestelle. Ansonsten hat sich kaum etwas verändert, nur daß die Menschen mit  Masken herumlaufen, „Glabbedeggel“, wie der Sachse sagt. Im Flugzeug selber ist natürlich nichts mit Abstand halten, als ich mich zu meinem Sitzplatz zwänge. Es ist nach Monaten von social distancing völlig ungewohnt auf einmal so engen Kontakt zu Mitmenschen zu haben. Für einen kurzen Moment überlege ich, ob da gerade ein Gefühl von Agoraphobie in mir aufsteigt. Vergeht aber wieder.

Abflug, Baby!

Über einen Zwischenstopp in Porto geht es nach Sao Miguel, wo Nica in der Marina auf mich wartet. Knapp drei Stunden Flugzeit bis Porto. Ich versuche etwas zu lesen, aber wegen der Maske beschlägt mir die Lesebrille. Also aus dem Fenster schauen. Unter uns eine dichte Wolkendecke, keine Referenzpunkte, nicht zu erkennen, wo wir gerade sind,   wir könnten auch stillstehen. Neben mir döst eine Frau, sie trägt  ein Plastivisier, das mit Klebeband zusammengehalten wird, offenbar hat sie es selbst angefertigt. Ihre FFP2 Maske darunter hat einen runden grünen Filter, der genau auf der Nasenspitze sitzt . Sie sieht ein bißchen aus wie Snoopy.
Als wir in Porto gelandet sind, und ich die Gangway hinabsteige, reiße ich mir  meine Stoffmaske herunter. Endlich unbehindert Atmen!  Es riecht zwar nach Kerosin, aber da wir an der Küste sind, auch ein bißchen nach Ozean. In der Halle muß ich mein Gepäck einsammeln und dann wieder neu einchecken, also einreisen um gleich wieder auszureisen. Es gibt keinerlei Beschränkungen, nur als ich zum Ausgang gehe, fordert mich ein Flughafenangestellter auf, meine Mütze abzunehmen.  Eine Wärmekamera an der Decke  soll unbehindert die Körpertemperatur  messen können. Jetzt bloß nicht rot werden.
Dann geht es weiter zu den Azoren. Tief unten glitzert der Atlantik. Lange nicht gesehen!  Der Flughafen von Sao Miguel liegt ganz in der Nähe der Marina, im Landeanflug gleiten wir über sie hinweg. Ich presse die Nase gegen die Scheibe, ob ich Nica erkennen kann. Da ist der Mastenwald, da muß sie sein und  für eine Sekunde, meine ich, sie gesehen zu haben.

Ich seh sie!

Am Flughafen Ponta Delgada wird  die Einreise etwas komplizierter.  Es gibt zwei Optionen, entweder man reist mit einem gültigen Test nicht älter als 72h Stunden ein, oder unterzieht sich einem Test am Flughafen. Das entsprechende Formular habe ich schon in Deutschland ausgefüllt, die meisten meiner Mitreisenden erhalten es jedoch erst hier. In der kleinen engen Halle bricht ein leichtes Chaos aus, weil es nur ein winziges Tischchen zum Schreiben gibt, um das man sich drängelt. Mindestabstand 1,5cm. Dazwischen wird auf dem Boden kniend, auf einer Tasche oder dem Rücken des Partners das Formular ausgefüllt. Ich dagegen reihe mich frohgemut in eine Schlange ein, die zu einem Tisch führt an dem mehrere Frauen mit Ganzköperschutzanzügen und neuen Formularen sitzen. Natürlich ist es die falsche Schlange, die für Leute mit Test. Da sie sich mehrmals hin und her windet, war der richtige Eingang aber auch schwer zu finden. Ich habe keine Lust, mich nochmal hinten anzustellen und schlängele mich einfach in die andere Reihe, was aber nicht auffällt, da die Leute noch mit ihren Formularen beschäftigt sind.

SARSen Se mal Ihre Adresse!

Als ich endlich am Tisch mit den Ganzköperschutzanzugfrauen bin, will man von mir wissen, wo ich auf Sao Miguel wohne. Auf meinem Boot in der Marina, antworte ich. Dort müsse ich bleiben bis zum Ergebnis des Tests, teilt man mir mit. Ich frage, ob ich wenigstens zu den sanitären Anlagen dürfe. Sie beraten kurz. Dann meint die eine Frau sehr freundlich zu mir, das sei ein besonderer Fall und mit Maske und Handschuhen dürfte ich das schon, während die andere im gleichen Atemzug sagt, die sanitären Anlagen wären bestimmt geschlossen. Alles klar. Dann kann ich mein Gepäck holen, das sich  auf dem mittlerweile stillstehenden Rollband langweilt und begebe mich zum Ausgang des Flughafens. Dort ist auf der anderen Straßenseite ein Militärzelt aufgebaut, in dem der Test stattfindet. Ich muß kurz warten, dann winkt mich eine Ganzköperschutzanzuggestalt heran. Es ist eine Krankenschwester, die mir sehr freundlich die Prozedur erklärt.  Es sei ein bißchen unangenehm, aber nicht schlimm. Ich werde hinter einen Vorhang geführt und soll auf einem Hocker Platz nehmen. Dann kommt ein Arzt im Ganzkörperschutzanzug, um den Test vorzunehmen. Natürlich ein Mann.  Zumindest im Gesundheitswesen scheint auch hier die Gleichberechtigung noch nicht allzuweit fortgeschritten. Der Arzt fuhrwerkt kurz in Nase und Rachen herum, es sticht und würgt ein bißchen und das wars auch schon. Das Ergebnis bekomme ich telefonisch mitgeteilt, sagt er, es kann zwölf aber auch achtundvierzig Stunden dauern. Alles klar. Ich torkele zu meinem Gepäck zurück und suche mir ein Taxi. Eigentlich hätte ich mir noch gern eine Dose Bier gekauft, aber hier am Flughafen habe alles dicht, meint der Taxifahrer. Schade. Die Fahrt zum Hafen dauert nicht lange. Kurz vor dem Eingang zur Marina hält das Taxi. Ich springe heraus, suche den  Steg  und da liegt ein schmales helles Segelboot.  Nica.

Trotz Corona Boot erreicht!

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